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Die Schlangenburg im Franzensberger Wald

   
 






 

Die Schlangenburg im Franzensberger Wald bei Gülitz
(Mecklenburgische Seenplatte)

Autor: Norbert Leide
 





 

 
Entstehungszeit

Eine spätmittelalterliche Burgwallanlage, für die es bisher keine sicheren historischen Quellen gab, liegt etwas abseits der bekannten Ortschaften in einem kuppigen, mit zahlreichen Mooren durchzogenen Waldgebiet in der Nähe von Gülitz. Ihre strategisch gut gewählte Lage zwischen Mooren und dem angrenzenden „Schwarzen See“ zeugt gleichzeitig für ein Bedürfnis nach Schutz gegen eine Vielzahl von kriegerischen Einwirkungen und für den Willen Macht zu demonstrieren.
Siedler hauptsächlich aus Holstein, Niedersachsen und Westfalen begannen seit Anfang/Mitte des 13. Jahrhunderts Mecklenburg zu okkupieren und verdrängten allmählich die hier lebende slawische Bevölkerung.
Dabei spielte die katholische Kirche bei der Landnahme durch die Gründung von Klöstern eine tragende Rolle. Bischöfe und Fürsten unterwarfen durch Krieg gemeinsam das weite, dünn besiedelte Land. Die slawischen Herrscher wurden zu Vasallen gemacht und gezwungen das Christentum anzunehmen. Aufstände wurden niedergeschlagen und ihre Heiligtümer zerstört. Allmählich gingen die slawischen Bevölkerungsreste im immer mehr erstarkendem Deutschtum durch Assimilierung auf.
Lange ward der Ort im Wald vergessen und nur im Volksmund kannten noch wenige ihn als Schlossstelle oder Schlossberg.
Als bei dem Chausseebau der nahen Landstraße im 19. Jahrhundert sich die Erbauer ungeniert an den großen Feldsteinen der Burganlage bedienten, geriet der Ort erneut in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Erste unsachkundige Nachgrabungen versuchten das Geheimnis um den Ort zu lüften. Führende Geschichtsfachleute Mecklenburgs suchten daraufhin gezielt nach Informationen, die die  Gründung, den Zweck und den Zeitpunkt seiner Aufgabe klären sollten. Es blieb bei Vermutungen und einer groben Datierung anhand weniger Fundstücke.
In der DDR-Zeit suchten Schüler der Neukalener Schule nach Hinweisen vor Ort und fanden Tonscherben und Ziegelreste, die jedoch keinen weiteren Erkenntnisgewinn brachten.
Nach der Wende lies das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege das Bodendenkmal durch den Historiker Dr. Fred Ruchhöft mittels Laserscanbild untersuchen, der in seinem Bericht keine Antworten auf die gestellten Fragen liefern konnte. Eine Auswertung aller vorhandenen schriftlichen Quellen hatte den ursprünglichen Burgherren bisher nicht identifizieren können.
Eine um 1314 datierte mecklenburgische Urkunde erwähnt einen Lehnsmann in Gülitz der mit  einem sogenannten Rossdienst dem Landesherren als Vasall im Bedarfsfall Kriegsdienst zu leisten hatte. Die Vermutung lag nahe, dass es sich dabei um den gesuchten Burgherren handeln konnte. Der Name blieb jedoch unerwähnt.
Bis eines Tages Horst Maischeider aus Dargun mit seinem Metalldetektor den Ort absuchte und im Wurzelbereich einer umgestürzten Buche einen Siegelstempel aus Blei fand. Die rückwärtige Handhabe war abgebrochen, sodass davon auszugehen ist, dass der Stempel auf diese Weise ungültig gemacht wurde.


 
Abb. 1.1: Siegel des Hermen Scnakenborc
 

Darauf konnte man unter einer stark korrodierten Schicht in gotischen Majuskeln den Namen des Siegelinhabers erahnen. Wolfgang Schimmel ist als hiesige Koryphäe was die Geschichte der Gegend angeht bekannt. Mit seiner Hilfe gelang es anhand eines Fotos vom Fundstück und viel Fantasie den Namen zu entziffern. Das Wappen in der Mitte des Siegels zeigt eine Art Welle, welche zuerst nicht gedeutet werden konnte.
 Nach stundenlangem Rätseln wurde sich auf den Namen „ Hermen Scnakenborc „ also zu deutsch Herrman Schnakenburg, geeinigt.
Den Namen kannte Herr Schimmel natürlich aus seinen jahrelangen Forschungen. Ein Ritter Snakenborgh saß in dem unweit gelegenen Ort Karnitz.
Daraufhin fand sich auch eine mecklenburgische Urkunde vom 24. November 1380, in der ein Hermen Snakenborgh und sein Bruder der Stadt Malchin für fünf Jahre ihr Dorf Pisede verpfändeten.
Das Wort snake stammt aus dem Mittelniederdeutschen und bedeutet Schlange. Die Welle auf dem Wappen im Siegel, gab sich nun sogleich als Schlange zu erkennen. Es ist naheliegend, dass sich der auf der Feldmark existierende Schlangenbach sowie der Schlangenberg ebenfalls von dem Geschlecht derer von Schnakenburg ableitet.
Es gilt als unbestritten und durch die mecklenburgischen Urkunden als bewiesen, dass sich der Familienname von seinem Herkunftsort ableitet. Da wie bereits erwähnt die neuen Siedler auch aus Niedersachsen kamen ist der Herkunftsort der Vorfahren unseres Schnakenburgs, der im Übrigen ein Knappe war, der gleichnamige Ort Schnackenburg an der Elbe. Wikipedia vermutet nicht zu Unrecht:
Der Name Schnackenburg wurde erstmals 1218 erwähnt, als ein gleichnamiges Niederadelsgeschlecht in den Schriftquellen auftaucht. Die Familie scheint aber damals schon ihren Stammsitz verlassen und sich östlich der Elbe angesiedelt zu haben.


 
Abb. 1.2: Nachzeichnung der Siegelinschrift
 


Wann nun die Schnackenburg im Wald entstanden ist und wann sie aufgegeben wurde, kann nur eine erneute Grabung beantworten, an der das Landesamt auf Nachfrage bei einem Mitarbeiter bisher jedoch kein Interesse hat. Neueste wissenschaftliche Untersuchungsmethoden kosten Geld und was von Wichtigkeit ist, darauf werden wir weiter versuchen Einfluss zu nehmen.